Wissenstransfer in EXPRESS: Dr. Juliane Welz während des Visions-Workshops zu Projektbeginn

Geschäftsmodelloptionen

Digitale und KI-basierte Technologien haben das Potenzial, Prozesse im Obst- und Weinbau grundlegend zu verändern. Ob diese Technologien in der Praxis tatsächlich Anwendung finden, hängt jedoch nicht allein von ihrer technischen Leistungsfähigkeit ab, sondern maßgeblich davon, ob sie mit bestehenden Geschäftsmodellen vereinbar sind oder neue, tragfähige Geschäftsmodelloptionen eröffnen.

Einordnung

Die Einführung digitaler und KI-basierter Lösungen im Obst- und Weinbau ist eng mit zwei zentralen Voraussetzungen verknüpft. Erstens steigt die Bereitschaft von Betrieben, neue Technologien einzusetzen, dann, wenn sich dadurch betriebliche Ziele besser erreichen lassen – etwa in wirtschaftlicher oder ökologischer Hinsicht. Damit verbunden ist die Frage, ob bestehende Geschäftsmodelle den Einsatz neuer Technologien tragen können, angepasst werden müssen oder ob sich neue Geschäftsmodelloptionen ergeben.
Zweitens ist die Akzeptanz neuer Technologien abhängig von der Digitalisierungsaffinität der beteiligten Akteure. Offenheit gegenüber Innovationen und die Bereitschaft, sich in neue Lösungen einzuarbeiten, sind wesentliche Voraussetzungen für erfolgreiche Implementierung (vgl. Use Case 5 „Entwicklung Datenkompetenz“).

Vor diesem Hintergrund ist das Querschnittsthema Geschäftsmodelloptionen ein zentrales Bindeglied zwischen technologischer Innovation, betrieblicher Praxis und wirtschaftlicher Umsetzung.

Was wir in diesem Querschnittsthema tun

Im ersten Schritt werden für fünf ausgewählte Use Cases Analysen des Marktumfeldes durchgeführt und das Innovationspotenzial der jeweils adressierten digitalen und KI-Technologien systematisch ermittelt. Dabei wird untersucht, welche wirtschaftlichen, ökologischen und weiteren Mehrwerte für die relevanten Stakeholder entstehen oder entstehen können und welche Use-Case-relevanten Geschäftsmodelle derzeit im Landwirtschaftssektor Anwendung finden.
Grundlage dieser Markt- und Geschäftsmodellanalysen sind Fachbeiträge, empirische Untersuchungen sowie Ergebnisse aus einschlägigen Forschungsprojekten (u.a. EXPRESS, MIRO). Zur Schärfung der Analyseergebnisse und zur Vermeidung späterer Fehlentwicklungen werden ergänzend Interviews mit Expertinnen und Experten aus dem Landwirtschaftssektor geführt. Ziel ist es, das Innovationspotenzial der Technologien einzuordnen und zugleich Analyse- und Wissenslücken aufzudecken.

Die Ergebnisse münden in eine öffentlichkeitswirksame Publikation der Reihe „Sonderkulturen im Mittelpunkt“ sowie in ein Ranking der untersuchten Use Cases entlang ihres Innovations- und Marktpotenzials. Auf dieser Basis werden im weiteren Projektverlauf zwei besonders vielversprechende Use Cases vertieft betrachtet. Für diese wird geprüft, ob der Einsatz der digitalen und KI-Technologien mit bestehenden Geschäftsmodellen kompatibel ist, neue Geschäftsmodelloptionen erfordert oder Geschäftsmodellinnovationen ermöglicht. 

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung kooperativer Geschäftsmodelle im Obst- und Weinbau. Hier wird das branchenübergreifende Zusammenspiel von landwirtschaftlichen Betrieben, Technologieanbietern und weiteren Akteuren entlang der Wertschöpfungsketten in den Blick genommen. 

Die Ergebnisse der beiden Fokusthemen werden jeweils in einer Geschäftsmodellmappe zusammengeführt. Zentrale Erkenntnisse werden über Vernetzungsveranstaltungen sowie die kommunikative Begleitung des Projekts frühzeitig an Akteure im Obst- und Weinbau und angrenzenden Branchen kommuniziert, um eine frühzeitige Sensibilisierung für Marktpotenziale, Kooperationsmöglichkeiten und neue Geschäftsmodelloptionen sicherzustellen.

Ansprechpartner:

Dr. Christoph Starke

Fraunhofer ISI

christoph.starke@isi.fraunhofer.de